Urheberrecht: Streaming von Filmen im Unterricht?

Veröffentlicht von Benjamin.Goetzinger am

Häufig taucht die Frage auf, ob man Filme zur Gänze, insbesondere über Streamingdienste wie Netflix, im Unterricht benutzen darf. Bei der Beantwortung der Frage es geht hier um zwei Dinge: Urheberrecht und Nutzungsbedingungen

Zum Urheberrecht:

Hier gibt es die unterschiedliche Ansicht von Filmwirtschaft und Kultusministerium, die den Unterricht einerseits als öffentlich (Filmwirtschaft) bzw. als nicht-öffentlich (KM) ansehen.

Nicht-öffentlich nach Ansicht des KMs bedeutet, dass wenn nur die der Klasse zugehörigen Schülerinnen und Schüler sowie deren Lehrkraft im Raum sind, ein Film im Unterrichtskontext ganz angesehen werden kann. Dies kann dann auch ein Film sein, der privat von der Lehrkraft legal erworben wurde.

Die Filmwirtschaft (auf www.filme-im-unterricht.de, auch in dem kürzlich an Schulen verteilte Geheft „Film und Fernsehen im Unterricht“ von Stefan Haupt) sieht Unterricht immer als öffentlich und sagt daher, dass nur 15 % eines Filmes angesehen werden dürfen (gibt aber auf der Homepage Hinweise, wie die Filme ganz angesehen werden dürfen).

Eine abschließende rechtssichere Antwort kann es hier aber nicht geben, da die beiden Positionen noch nicht vor Gericht geklärt wurden. Wenn unser Dienstherr aber diese Ansicht vertritt, so sollte das Zeigen von vollständigen Filmen im Unterrichtskontext keine rechtlichen Auswirkungen auf Lehrkräfte haben, die von der Nicht-Öffentlichkeit des Unterrichts ausgehen.

Zu den Nutzungsbedingungen (hier: Netflix)

Geht man nun davon aus, dass der Unterricht nicht-öffentlich ist, so muss man sich nun auch anschauen, wie – auch wenn ich quasi „privat“ mein Streamingangebot erwerbe – der Streaming-Dienst in den Nutzungsbedingungen die Nutzung erlaubt.

Speziell bei Netflix steht hier in den Nutzungsbedingungen:

4.2. Der Netflix-Dienst und sämtliche Inhalte, die über den Dienst angesehen werden, sind ausschließlich für Ihre persönliche und nicht kommerzielle Nutzung bestimmt und dürfen nicht mit Personen, die nicht im gleichen Haushalt leben, geteilt werden. Während Ihrer Netflix-Mitgliedschaft gewähren wir Ihnen ein beschränktes, nicht exklusives und nicht übertragbares Recht, um auf den Netflix-Dienst zuzugreifen und Netflix-Inhalte anzusehen. Abgesehen davon werden keine Rechte, Titel oder Ansprüche an Sie übertragen. Sie stimmen zu, den Dienst nicht für öffentliche Vorführungen zu verwenden. (Hervorhebung durch mich, BG)

https://help.netflix.com/de/legal/termsofuse, abgerufen 20.11.2019

Mit diesem Passus verbietet es Netflix also, dass außerhalb der häuslichen Familie gemeinsam das Angebot zu nutzen, da hilft auch die Auffassung von „nicht-öffentlich“ uns nicht weiter. Daher ist die Nutzung von Netflix im Unterricht nicht zulässig.

Nachtrag:

Ein Kollege wies auf folgende Differenzierung hin:

Ich möchte eine alternative Interpretation liefern: Die Nutzungsbedingungen 4.2 sagen tatsächlich:

4.2. Der Netflix-Dienst und sämtliche Inhalte, die über den Dienst angesehen werden, sind ausschließlich für Ihre persönliche und nicht kommerzielle Nutzung bestimmt und dürfen nicht mit Personen, die nicht im gleichen Haushalt leben, geteilt werden. Während Ihrer Netflix-Mitgliedschaft gewähren wir Ihnen ein beschränktes, nicht exklusives und nicht übertragbares Recht, um auf den Netflix-Dienst zuzugreifen und Netflix-Inhalte anzusehen. Abgesehen davon werden keine Rechte, Titel oder Ansprüche an Sie übertragen. Sie stimmen zu, den Dienst nicht für öffentliche Vorführungen zu verwenden. 

Dies aber so zu verstehen, dass Filme/Serien nur mit Haushaltsangehörigen konsumiert werden dürfen, ist absurd, denn in diesem Falle wären auch Netflix-Filme-Abende mit Freunden oder Bekannten ausgeschlossen. Das dies nicht so zu verstehen ist, bestätigte mir auch Helene vom Netflix Kundensupport (ihr Nachname wurde leider nicht preis gegeben). 
Der Hund liegt bei den (auch von den Nutzungsbedingungen explizit scharf abgetrennten) Worten „ansehen“ und „teilen“. Ansehen darf ich die sehr wohl mit Personen außerhalb des Haushalts. Teilen nicht. Unter „teilen“ versteht das Internetrecht den gemeinsamen Zugriff auf Dateien/Medien und hierum geht es Netflix: dass das relativ günstige Familienpaket nicht zwischen Freunden in unterschiedlichen Haushalten geteilt wird.

Auch hier gibt es also keine abschließende Klärung, da auch dieser Fall nach meiner Kenntnis nicht abschließend gerichtlich entschieden wurde. (Stand: 21.11.2019)

Bildquelle: https://www.film.tv/upload/bilder/filmshot_klein/2017/netflix-logo-neu-2017-thumb-960-retina.jpg, abgerufen 20.11.2019.


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